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Orale Estrogene ungünstig bei adipösen Frauen mit milden Hitzewallungen

(Foto: jerzy/www.pixelio.de)
(Foto: jerzy/www.pixelio.de)

30.06.2009 – KÖLN (MedCon) – Frauen mit Adipositas leidenkeineswegs seltener an Hitzewallungen. Verglichen mit peri- und postmenopausalen Frauen ohne "fliegende Hitze" haben übergewichtige Frauen mit Hitzewallungen auch ein höheres kardiovaskuläres Risiko. Zusätzlich reagieren ihre Gefäße schlechter, wenn sie eine Hormontherapie mit oralen Estrogenen vornehmen.

Die Vorstellung, wonach adipöse Frauen durch die Aromatisierung von Androgenen im Fettgewebe seltener an Hitzewallungen leiden, hat sich inzwischen als irrig erwiesen: Diese Frauen leiden vielmehr signifikant häufiger an diesem vasomotorischen Symptom, wie die SWAN-Studie ausweist (1). Eine Hormontherapie führt häufiger nicht zur zufrieden stellenden Besserung. Und eine ungünstige Applikationsform scheint das verstärkte kardiovaskuläre Risiko noch zu erhöhen.

Wie Prof. Mary Ann Lumsden aus Glasgow beim Jahreskongress der Europäischen Menopause-Gesellschaft in London darlegte, weisen adipöse Frauen mit Hitzewallungen im Vergleich zu Dicken ohne Symptome ein schlechteres kardiovaskuläres Risikoprofil, gemessen an inflammatorischen Zytokinen. Es finden sich sehr häufig erhöhte Werte beim hochsensitiven CRP-Test (hsCRP) - ein unabhängiger Risikoprädiktor, der Entzündungsreaktionen bei Atherosklerose und koronarer Herzkrankheit erfasst, und der auch bei Insulinresistenz erhöht ist.

Gestagene beeinflussen seine Expression unterschiedlich: Während synthetische Gestagene wie Medroxyprogesteronacetat (MPA) das hsCRP erhöht, führt die Gabe von natürlichem Progesteron zu einer deutlichen Verminderung. Damit dürfte eine Hormontherapie mit Progesteron, die nach einer Kohortenstudie an der Brust (2) am sichersten ist, auch hinsichtlich der Gefäße günstig sein.

Da bei einer Adipositas ein erhöhtes thromboembolisches Risiko besteht, empfehlen Experten bei der Hormontherapie seit Jahren den Einsatz transdermaler Estrogene. Anders als bei oralen Formen wird dadurch das Risiko nicht klinisch relevant erhöht (3).

Jetzt zeichnet sich ab, dass orale Estrogene auch bei milde ausgeprägten Hitzewallungen ungünstig sein dürften (4). Denn offensichtlich reagieren die Gefäße von Frauen mit milden oder aber starken Wallungen auf Hormone unterschiedlich: Erhalten die Frauen mit milden Beschwerden orale Estrogene, reagieren ihre Gefäße und das Endothel weniger "compliant" auf eine Provokation mit Nitroglycerin oder Salbutamol als die Gefäße von Frauen mit ausgeprägter Symptomatik.

Das hat ein finnisches Team placebokontrolliert in einem Kollektiv von 143 gesunden Frauen kurz nach der Menopause aufgezeigt. Vor dem zweiten Test hatten die Patientinnen über sechs Monate Estrogene transdermal oder oral, alleine oder in Kombination mit MPA erhalten. Die schlechtere Funktion der Gefäße war nur bei oralen Estrogenen zu sehen.

Wenn die arteriellen Gefäße bei milden Wallungen weniger "reagibel" sind, ist eine schlechtere kardiovaskuläre Ausgangslage gegeben - vergleichbar einer älteren Patientin mit länger bestehendem Estrogendefizit. Da die Gefäße zudem empfänglicher für ungünstige Reize sind, ist nach der "windows-Hypothese" die Basis für den Nutzen einer Hormontherapie bei milden Symptomen schlechter, so spekulieren die Autoren.

Damit könnte diese Arbeit auch die divergierenden Ergebnisse von Beobachtungs- und randomisiert-kontrollierten Studien (RCT) bei der kardiovaskulären Primärprävention erklären: Erstere beinhalten normalerweise Frauen mit starken Hitzewallungen, in RCTs dagegen werden - um eine Demaskierung des Verums zu vermeiden - eher Frauen aufgenommen, die moderate oder gar keine Wallungen aufweisen.

(1) Thurston et al: Am J Epidemiol 2008;167:78-85
(2) Fournier A et al, Journal of Clinical Oncology 2008;26(8):1260
(3) Canonico M et al, J Thromb Haemost 2006;4:1259-1265
(4) Tuomikoski P et al: Maturitas 2009; Suppl. 1:63

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