– BERLIN (MedCon/ur) – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hält eine Neubewertung von Gestagenen für notwendig und sieht dringenden Forschungsbedarf. Es gebe Hinweise, dass das Hormon das Wachstum von Tumoren fördere.
In der neuesten Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts macht Cecylia Giersig, Sachgebietsleiterin Endokrinologie, Diagnostik und Pharmakovigilanz, eine Gesamtschau über die wichtigsten experimentellen, klinischen und epidemiologischen Daten, berichtet das Deutsche Ärzteblatt.
Giersig kommt zu dem Schluss, dass die „Unbedenklichkeitsvermutung“ von Gestagenen in Bezug auf Krebs dazu geführt haben, die Spur des wissenschaftlichen Zweifels nicht konsequent verfolgt zu haben. Diese lassen sich auf widersprüchliche oder unzureichende Daten vor allem zur Gestagenmonotherapie zurückführen.
Dass das BfArM ein Interesse an der Klärung hat, macht Präsident Johannes Löwer deutlich: Das Arzneimittelrisiko von Gestagenen sei möglicherweise nicht ausreichend qualitativ und quantitativ beschrieben. „Es handelt sich dabei um ein Risiko, das herausragende Bedeutung für die Anwenderinnen hat, falls sich aus einer neuen Bewertung für Gestagen-only-Kontrazeptiva ein höheres Brustkrebsrisiko als für kombinierte hormonelle Kontrazeptiva ergeben würde.“
Eine potenzielle malignomfördernde Wirkung von Gestagenen vermutet man, weil sie im Tierversuch das Wachstum von Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinomen anregten und Antiprogesterone wiederum die Reaktivierung vonTumoren unterdrücken. Zudem haben sich Progesteronmetabolite als potente Regulatoren der Zellproliferation, der Adhäsion und der Apoptose erwiesen. Der Verdacht eines erhöhten Brustkrebsrisikos im Zusammenhang mit der Hormontherapie wurde manifest, nachdem Gestagene auf regulärer Basis zum Schutz des Endometriumkarzinoms aufgenommen wurden. Unter den Spontanmeldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen in Deutschland waren wesentlich mehr Brustkrebsfälle bei Gestagenmonotherapie sind als unter der Kombinationstherapie.
Nun sollen neue epidemiologische Studien Klärung bringen. Millionen Frauen nehmen Gestagene, oft über Jahre, Sie standen bislang kaum im Verdacht, das Wachstum von Mammakarzinomen auszulösen oder zu fördern, im Gegenteil. Seit sich herausstellte, dass die Östrogenmonotherapie als Hormonersatz mit einer erhöhten Inzidenz an Endometriumkarzinomen assoziiert ist, wird Östrogen bei Frauen mit erhaltener Gebärmutter mit Progestin kombiniert.
12th Biennial Meeting of the International Gynecologic Cancer Society mehr
22.07.2008 (dpa) - Der Schweizer Pharmakonzern Roche will seine amerikanische Tochtergesellschaft Genentech für rund 28 Mrd Euro vollständig übernehmen. Den Aktionären sei ein entsprechendes Angebot unterbreitet worden, teilte Roche am Montag in Basel mit. Der Konzern hält seit 1990 eine Mehrheitsbeteiligung an dem US-Biotechnologieunternehmen und besitzt derzeit 55,9 Prozent. Mit der Übernahmeankündigung hat Roche überraschend auch einen Rückgang von Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2008 bekanntgegeben. Der Reingewinn schrumpfte um 2,2 Prozent.
MammaPrint, ein die Signatur von 70 Genen auswertender Diagnosetest, der eine hohe oder niedrige Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall bei Brustkrebs vorhersagt, wurde aus über 150 Eingängen als die zukunftsweisende Initiative im Gesundheitswesen ausgewählt. Der Sieger wird von der niederländischen Regierung landesweit und aktiv unterstützt.