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(BIERMANN) – Mit einem fulminaten Auftakt machte der Düsseldorfer Fortbildungs-Kongress klar, dass der Kampf gegen die Gewalt an Frauen auf der Tagesordnung steht - in Deutschland und in der Welt.
Der Menschenrechtsaktivist Rüdiger Nehberg berichtete in einer bewegenden Rede von der grausamen Genitalverstümmelung. Dr. Verena Kuntz brachte die Spurensicherung nahe und Prof. Alexander Teichmann erläuterte den Umgang mit den Opfern.
Was tun, wenn eine missbrauchte Frau in einer Klinik oder Praxis auftaucht? "Hier ist nicht nur der klinisch-therapeutische Blickwinkel gefragt, sondern auch der forensische", betonte Dr. Verena Kuntz vom Mainzer Institut für Rechtsmedizin. Die ausreichende und zeitnahe Dokumentation der Gewalt, etwa durch eine Ganzkörperuntersuchung und das Einfrieren
von Blutproben, nehme zwar viel Zeit in Anspruch. Doch für die Spurensicherung gelte: "Die Zeit ist einer der größten Feinde der Befunderhebung."
Prof. Alexander Teichmann mahnte an, dass sich Ärzte im Umgang mit den Opfern durch "Authentizität, Empathie, Klugheit und Persönlichkeit auszeichnen". Bei der Gesprächsführung sei etwa Offenheit, aber auch Distanz wichtig. "Versuchen Sie nicht, mit heiligem Eifer die Schandtat zu eruieren", inquisitorische Befragungen führten zu einem erneuten Trauma.
Teichmann riet den Teilnehmern auf die vielen Zeichen von sexueller und häuslicher Gewalt zu achten, etwa häufige Aborte oder chronische Bauchschmerzen. Unbedingt sei indes die ärztliche Schweigepflicht zu beachten. Nur bei unmittelbar bevorstehender schwerer Gefahr für Leib und Leben darf sich ein Arzt an die Polizei wenden. Er darf schwere Verbrechen verhüten, nicht jedoch bereits zurückliegende Straftaten melden.
"Die schlimmste Form der Gewalt gegen Frauen ist die weibliche Genitalverstümmelung." Rüdiger Nehberg und seine Frau Annette haben mit ihrer Menschenrechtsorganisation TARGET den Kampf gegen das 5000 Jahre alte Ritual aufgenommen. Mit brechender Stimme schilderte Nehberg, wie kleinen Mädchen "von halbblinden Frauen alles ohne Betäubung
weggeschnitten", die Wunde mit Dornen verschlossen wird und für zwei Wochen die Beine zusammen gebunden werden.
Eine Frau berichtete ihm von ihrer Tochter, die danach nur noch kriechen konnte. Eines Tages habe sie sich aus Verzweiflung mit der Maschinenpistole des Vaters erschossen.
Nehberg gelang es, in Äthiopien teilweise die Verstümmelung zu stoppen.
Unter anderem inistierte er in Kairo eine Konferenz hoher islamischer Geistlicher. Mit dem sensationellen Ergebniss, dass die muslimische Theologen die weibliche Genitalverstümmelung ächteten als Verbrechen, unvereinbar mit ihrer Religion. Dies wurde in der "Fatwa von Kairo" festgeschrieben. Eine Fatwa ist ein verbindliches religiöses Rechtsgutachten.
Sein Engagement würdigte der Kongress mit "Standing Ovations". Um den geschundenen Frauen zu helfen kündigte der Berufsverband der Frauenärzte an, tatkräftig die derzeit entstehende gynäkologische Station zu unterstützen.
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