Anzeige

FOKO: Patientinnen aufmerksamer beobachten

Die Teilnehmer der diesjährigen FOKO-Pressekonferenz (Quelle: bgr/Biermann Medizin).
Die Teilnehmer der diesjährigen FOKO-Pressekonferenz (Quelle: bgr/Biermann Medizin).

05.03.2010 (BIERMANN) – Die auf der Pressekonferenz des diesjährigen Fortbildungskongresses FOKO angeschnittenen Themen waren vielfältig, doch die Aussage blieb gleich: Gynäkologen sollten ihren Patientinnen mehr Aufmerksamkeit schenken.

Dies gilt vor allem, wenn die Gefahr einer Körperverletzung droht, wie es bei der Genitalverstümmelung junger Mädchen der Fall ist. Abenteurer Rüdiger Nehberg stellte seinen Verein "TARGET" vor, mit dem er versucht, Genitalverstümmelungen ein Ende zu setzen. Er betonte jedoch, dass das Problem nicht nur in den hauptsächlich afrikanischen Ländern vorherrsche sondern ebenso in Deutschland präsent sei.

"Es sind 5000 bis 20.000 Mädchen in Deutschland gefährdet", sagte seine Ehefrau Annette Nehberg-Weber. Die Mütter, die oft selbst beschnitten sind, würden ihre Töchter in den Schulferien in ihre Heimatländer bringen, wo sie dann beschnitten würden.

Das Ehepaar Nehberg fordert deshalb von den Gynäkologen mehr Aufmerksamkeit. Töchter von beschnittenen Müttern besitzen das größte Risiko, ebenfalls beschnitten zu werden. Im Falle eines konkreten Verdachts sollten Ärzte nicht zögern, das Jugendamt zu informieren, bevor das Mädchen ins Ausland gebracht wird.

Dabei ist das Thema "Beschneidung" der Frau kein so exotisches Thema: Wie Dr. Anneliese Schwenkhagen aus Hamburg berichtet, war in Europa und Nordamerika, vor allem aber in England, bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Klitoridektomie bei "Hysterie" oder Masturbation der Frau indiziert.

Trotz der "sexuellen Revolution" in den 1960ern finden die sexuellen Belange der Frau nach wie vor wenig Aufmerksamkeit, moniert Schwenkhagen. Aufgrund der heutigen gesellschaftlichen Strukturen, die zu beruflichem oder familiärem Stress führen, würden viele Frauen unter Lustlosigkeit leiden. Da die Medien aber ein anderes Gefühl von Erotik und Sexualität vermittelten, fühlten sich solche Frauen unter Druck gesetzt, glaubt die Hamburger Gynäkologin. Doch das Gespräch mit dem Arzt zu suchen, das würden sich die Betroffene nicht trauen. "Doch wenn nicht wir, wer dann?" könne den Frauen Hilfe bieten, fragte sie. Der Frauenarzt müsse sich Zeit nehmen und der Patientin zuhören - denn oft helfe das Gespräch allein, so dass sich die Frauen nicht alleine fühlten.

Die wandelnde Gesellschaft hat aber auch dazu geführt, dass Frauen mittlerweile lange warten, bis sie ihr erstes Kind kriegen. Im Mutterpass wird bei Frauen ab 35 die Schwangerschaft als "Risiko" bezeichnet. Doch dies sei eigentlich gar nicht der Fall, betonte der Tagungspräsident, Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, Für ihn seien ältere Schwangere einfacher zu managen, da sie "ganz bewusst ein Kind kriegen": Sie verzichten beispielsweise freiwillig auf Alkohol und Nikotin - ganz im Gegensatz zu jüngeren Frauen.

Das Schlusswort hatte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Dr. Christian Albring. Er hatte für die derzeitige politische Lage nur Kritik übrig: Die FDP könne ihre Arbeit nicht machen, wenn die CSU ständig blockiere. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass nicht alle IGeL verteufelt werden dürfte. So sei die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter trotz Nutzen keine Kassenleistung, sondern müsse privat berechnet werden. Um mehr Transparenz zu schaffen, plädierte er für eine Kostenerstattung, ähnlich wie in Frankreich: Hier zahle der Patient die Leistungen per Vorkasse und reiche die Rechnung anschließend bei seiner Krankenversicherung ein.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar schreiben

Login