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Hormontherapie: Trotz Hysterektomie Progesteron zusetzen?

Progesteron könnte durchaus bei Frauen nach einer Gebärmutterentfernung helfen (Abb. Wikipedia/Commons)
Progesteron könnte durchaus bei Frauen nach einer Gebärmutterentfernung helfen (Abb. Wikipedia/Commons)

24.06.2008 – MÜNCHEN (MedCon/ur) - Auf der 8. Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin (GSAAM) in München Anfang Juni diskutierten Experten kontrovers über die Frage, ob Gestagen bei hysterektomierten Patientinnen zugesetzt werden soll. Das Thema lautete „Progesteron und Progestagene“.

Die Hormontherapie bei jenen Patientinnen erfordert keinen Gestagenzusatz. Diese Aussage in den Leitlinien ist für Professor Alfred Mueck aus Tübingen gerechtfertigt. Sein Münchener Kollege Privatdozent Dr. Alexander Römmler dagegen wertet sie als undifferenziert, da die Unterschiede zwischen synthetischen Gestagenen und natürlichem Progesteron nicht berücksichtigt werden. Er stuft angesichts der vielfältigen extragenitalen Wirkungen Progesteron als sicheren Kombinationspartner in der Prävention ein.

„Gestagen ist nicht gleich Gestagen“, darin waren sich die beiden Experten beim Symposium des Unternehmens Dr. Kade/Besins während der 8. Konferenz der GSAAM in München allerdings einig. Als eine sehr wichtige Studie sieht Mueck in diesem Zusammenhang die französische E3N-Studie an. Hier ist bei über 80.000 postmenopausalen Frauen ein deutlich erhöhtes Mammakarzinomrisiko unter kombinierter Hormontherapie mit synthetischen Gestagenen dokumentiert. In Verbindung mit natürlichem Progesteron dagegen ergab sich kein erhöhtes Risiko.

Dass Progesteron in Kombination mit transdermalem Estrogen an der Brust günstiger ist, legen auch aktuelle Ergebnisse von Biopsien des Brustepithels nahe: Hier zeigte sich kein signifikanter Anstieg der Proliferationsmarker. Mueck ist deshalb überzeugt, dass erhebliche Unterschiede zwischen synthetischen und natürlichen Gestagenen bestehen, was „biologisch auch plausibel ist“.
Die höhere Sicherheit von natürlichem Progesteron ist aus Sicht von Römmler nicht nur an der Brust belegt. Für den Endokrinologen zählen – neben den bekannten beruhigenden, Angst lösenden und Schlaf anstoßenden Eigenschaften – vor allem auch neuere Aspekte der extragenitalen Wirkungen, die zur Prävention von Altersveränderungen an Gefäßen, Knochen und im Nervensystem geeignet sind.

Unabhängig von anderen Hormonsystemen stimuliert Progesteron das endotheliale NO-System. Im Tiermodell schützt es vor Koronarspasmen unter Belastung und unterstützt so den schützenden Effekt der Estrogene. Dies wiederum kann durch die Wahl des falschen Gestagens aufgehoben werden.
Synergistische Effekte sind laut Römmler inzwischen auch am Knochen gezeigt worden. Estrogene hemmen über die Osteoklasten-Aktivität die Abbaumechanismen, Progesteron fördert über die Stimulation der Osteoblasten zusätzlich den Knochenaufbau.

Als besonders eindrucksvoll wertet Römmler die neuroprotektiven Eigenschaften des Progesterons. Inzwischen mehren sich die Untersuchungen, nach denen das natürliche Hormon die Reparatur geschädigter Myelinscheiden stimuliert. Beschrieben ist auch eine Längen- und Dichtezunahme von Dendriten – ein „Anti-Aging-Effekt“ für das verletzte oder alternde Nervensystem.

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