(BIERMANN) – Outsourcing bei der Geburtshilfe: Um Kosten zu sparen, verzichten Thüringer Kliniken zunehmend auf angestellte Hebammen. Sie nutzen lieber sogenannte Beleghebammen, die als nicht immer freiwillig Selbstständige das Haftungsrisiko bei Geburten tragen müssen.
In Thüringer Geburtskliniken gibt es immer weniger fest angestellte Hebammen. Vor allem kleine Krankenhäuser greifen nach Angaben des Hebammen-Landesverbandes ausschließlich auf freiberufliche Geburtshelferinnen zurück. Die sind für sie deutlich kostengünstiger. «Und da, wo Hebammen noch fest angestellt sind, arbeiten sie meistens in Teilzeit», sagte Verbandsvorsitzende Elke Pirrhs im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Grund für diese Entwicklung sei der wachsende wirtschaftliche Druck für die Krankenhäuser. Im Freistaat gibt es 26 Kliniken mit Geburtsstationen.
Wie Pirrhs sagte, kommen etwa in den Krankenhäusern Altenburg, Schmalkalden, Sömmerda, Friedrichroda, Schleiz und Greiz Kinder mit Hilfe von Beleghebammen zur Welt. Sie sind selbstständig und haben für die von ihnen betreuten Schwangeren mit einer oder mehreren Kliniken Verträge geschlossen. Sie dürfen die Kliniken für die Entbindung nutzen und rechnen die Leistungen dafür direkt mit den Krankenkassen ab. Für Krankenhäuser sei dies die wirtschaftlich günstigere Variante, erklärte Pirrhs. «Für Festangestellte müssten sie Sozialbeiträge und Haftpflichtprämien zahlen.»
Die Zahl der an Kliniken angestellten Hebammen ging nach Daten des Statistischen Landesamtes zwischen 2003 und 2008 von 201 auf 185 zurück. Davon arbeiten 124 in Teilzeit oder als geringfügig Beschäftigte. Der Anteil der freiberuflichen Hebammen mit Belegverträgen stieg im gleichen Zeitraum von 38 auf 75.
Die selbstständigen Geburtshelferinnen müssen unter anderem ihre Berufshaftpflichtversicherung, die bei Geburtsschäden einspringt, aus eigener Tasche bezahlen. Gegen deren massive Verteuerung und die aus ihrer Sicht schlechte Vergütung durch die Krankenkassen hatten die Hebammen kürzlich bundesweit protestiert.
Doch trotz eines mit den Krankenkassen erzielten Kompromisses zum Honorar bleibt die wirtschaftliche Lage der Geburtshelferinnen laut Verband angespannt. Als Konsequenz hätten die freiberuflichen Hebammen in Thüringen Leistungen eingeschränkt, sagte Pirrhs.
Teilweise übernähmen sie keine Geburtshilfe an Belegkliniken mehr.
«Das merkt man gerade jetzt in der Urlaubszeit.» In den Regionen Mühlhausen, Altenburg und Schmölln würden keine Hausgeburten mehr angeboten. Von Hebammen begleitete Hausgeburten machen in Thüringen allerdings nur etwa drei Prozent aller Entbindungen aus. Im Freistaat kamen im vergangenen Jahr rund 16.800 Kinder zur Welt, ein Jahr zuvor waren es 17 300. Der Hebammen-Landesverband hat rund 360 Mitglieder.
dpa
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