– KÖLN (MedCon) - Kliniken müssen sich gegen die steigende Zahl schwergewichtiger Patienten wappnen. Bei 250-Kilo-Kolossen drohen die Beine der OP-Tische zu knicken, es passen keine EKG-Kabel, keine Betten, keine OP-Hemden. Instrumente versagen vielfach. Fallpauschalen vergüten nicht die zeitraubende Schwerarbeit.
Die XXL-Patienten treiben dem Krankenhaus-Personal den Schweiß auf die Stirn. Von Jahr zu Jahr landen mehr in den Kliniken. Ärzte und Pfleger kommen nicht nur ins Schwitzen, weil sie die Schwergewichte auf OP-Tische und Betten hieven müssen. Pflege-Manager Erwin Lohmer erinnert sich daran, wie vor zwei Jahren die Chirurgen an der Uniklinik Köln kapitulieren mussten, trotz aller Improvisation und gutem Willen: Ein 190 Kilo schwerer Mann sollte für einen urologischen Eingriff unters Messer: „Doch das Risiko, ihn auf einen normalen OP-Tisch zu legen, war zu groß“.
Das Personal fürchtete, dass die Tischbeine einknicken könnten. Ein Spezial-Tisch war auf die Schnelle nicht aufzutreiben und so musste der Mann nach fünf Tagen die Klinik verlassen, mit der Aufforderung, erst einmal 60 Kilo abzunehmen. In der Regel wird es in den Operationssälen ab einem Gewicht von 160 Kilo kritisch. Um für die Schwergewichte gewappnet zu sein, startete Lohmer das Projekt „OP-Management für XXL-Patienten“.
Heute verfügt die Klinik über einen besonders stabilen Tisch mit extrabreiten Beinhalterungen und XXL-Gurten. Hinzukommen etwa „EKG-Kabel, die länger sind, für eine breite Brust, oder ein OP-Hemd, das riesengroß ist“, sagt Lohmer. Einst behalfen sich die Pfleger, indem sie die Patienten mit zwei Bettlaken umwickelten.
Um den Massen Herr zu werden und die Fettschichten zu durchdringen, sind ebenso größere Klammern und Instrumente mit extralangen Griffen vorhanden. Bei diesen muss wiederum die Übersetzung stimmen, damit der Chirurg nicht unvermittelt mehr oder weniger Kraft einsetzen muss. Der Pflege-Manager sorgte auch dafür, dass die Operateure rechtzeitig informiert werden und verbesserte die Kommunikation zwischen ihnen und der Aufnahme.
Professor Rudolf Weiner operiert extrem Übergewichtige am laufenden Band. Die Chirurgische Klinik am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt hat sich auf die operative Gewichtsreduktion mit Magenband oder Magenbypass und ähnliche Verfahren spezialisiert. „Im Unterschied zu normalen Kliniken sind wir auf diese Patienten vorbereitet“, sagt Chefarzt Weiner. „Es beginnt bei dem OP-Tisch und den Stühlen im Wartebereich und geht unendlich weiter: über passende Thrombose-Strümpfe und Blutdruck-Manschetten bis hin zu den Waagen.“ Meist ist hier bei 130 Kilo Schluss – dann werden Patienten „demoralisierend auf Viehwaagen in der Küche gestellt“, ärgert sich Weiner. Auch das Personal müsse vorbereitet sein und die Schwergewichte als Patienten annehmen – und nicht als Sünder betrachten.
Das Kölner Projekt „OP-Management für XXL-Patienten“ enthält als wichtigen Punkt ebenso die Schulung der Mitarbeiter. Wenn heute ein entsprechender Patient in der Orthopädie auflaufe, wisse jeder, was er zu tun hat, erläutert Lohmer. „Bisher war alles Improvisation, jetzt sind wir gewappnet“. Bei Patienten bis zu 250 Kilogramm habe man heute keine Probleme, auch bei den Untersuchungen. Das XXL-Projekt erhielt einen Management-Preis für den Blick in die Zukunft. „Wir sind in Vorleistung getreten, was die Investitionen betrifft“, so der Pflege-Manager. Letztendlich soll Geld einspart werden, weil die Patienten früher nach Hause können.
Dabei will man in der Uniklinik Köln diese Klientel nicht speziell heranziehen. „Wir haben genüg Patienten“, sagt Lohmer. Außerdem bezahlen die Kassen bislang keinen „Gewichts-Zuschlag“, wie viel Mühe Ärzte und Pfleger auch immer aufwenden müssen. Die Fallpauschale wird nur für bestimmte medizinische Kategorien, etwa spezielle Begleiterkrankungen, erhöht.
Alles dauert länger, urteilen Chirurgen, „man muss überhaupt erst finden, was man sucht“. Der Kölner Urologe Axel Raible verweist auf die vielen zusätzlichen Krankheiten, die mit der Fettsucht einhergehen: Diabetes, Arthrose, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck... Nach einer Operation kommen die extrem Dicken viel langsamer wieder auf die Beine. Rund die Hälfte „zeigt Zeichen einer gestörten Wundheilung“, erklärt Raible. Schuld daran ist die schlechte Durchblutung des Fettgewebes unter der Haut oder im Bauchraum.
Ab einem gewissen Umfang passen die Patienten nicht mehr in die Röhren von Computer- oder Kernspintomografen, herkömmlicher Ultraschall dringt nicht tief genug in das Gewebe. Siemens Medical Solutions in Erlangen entwickelt deshalb Röhren mit breiterem Durchmesser und Ultraschallgeräte mit einer tieferen Reichweite.
Auf den Pflege-Stationen muss ebenfalls den Übergrößen Rechnung getragen werden. An der Uniklinik Köln hat man nun ein XXL-Patientenzimmer. Das Bett trägt bis zu 450 Kilo, der Stuhl ist überbreit und besonders stabil, Toilette und Waschbecken sind ebenfalls Spezial-Anfertigungen. Die Frage ist, ob ein Zimmer für die Zukunft ausreicht. Mehr als elf Millionen Menschen gelten in Deutschland als fettleibig. Der Nachwuchs ist sicher. Innerhalb von 15 Jahren stieg die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen um 50 Prozent, meldete die Bundesärztekammer. Es kommt noch dicker: Die Anzahl der Adipösen unter den Jüngsten verdoppelte sich sogar. Die Volksseuche Adipositas kommt das Gesundheitswesen teuer zu stehen: Die Kosten betragen nach Schätzungen 15 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr.
(Ulrike Roll)
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MÜNCHEN (MedCon/ur) - Am Campus Großhadern der Uniklinik München wurde nun mit dem Bau eines der größten Operationszentren Europas begonnen. In 32 Operationssälen werden bislang getrennt arbeitende Disziplinen zusammenrücken. Zum Beispiel ist im Beckenzentrum die Gynäkologie mit der Urologie und Chirurgie vereint. Die Kosten sind mit 135 Millionen Euro veranschlagt, die Bauzeit soll vier Jahre betragen.
Die Zahl der Frauen aus Nordrhein-Westfalen, die 2007 in eine Kur gefahren sind, ist im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent gestiegen. Dies teilte die Freie Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen am Montag in Münster mit. Der münsterische Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann vom Ausschuss für Müttergenesung nannte als Grund die Gesundheitsreform, die diese Reha-Maßnahme wieder zur Pflichtleistung der Krankenkassen erklärt habe. Laut einer Studie bekomme aber nur eine von zehn Frauen eine Kur, die aus medizinischer Sicht notwendig wäre. Ein Grund sei die sehr unterschiedliche Bewilligungspraxis der Krankenkassen.
31.03.2008(dpa) - Gegen ihren Willen sind einer 33-Jährigen im Kasseler Rot-Kreuz-Krankenhaus Brustimplantate eingesetzt worden. Die Guxhagenerin verklagte nun die Klinik, weil sie nach einer Bruststraffungsoperation mit 200 Gramm Silikon in jeder Brust aufgewachte. Ein solcher Eingriff sei weder geplant gewesen, noch habe sie je solch einen Wunsch geäußert. Die Klinik bestätigte dies, berief sich aber auf medizinische Gründe, weil sonst die Brustwarzen der Frau abgestorben wären; die Frau hatte - auf Anraten eines Reproduktionsmediziners - fast 100 kg abgenommen. In jeder Hinsicht mit Erfolg: Allerdings kann sie nach der Brust-Op ihre Tochter nun nicht stillen.
Es gebe Widersprüche und Ungereimtheiten in der Patientenakte. So fehlen Aufzeichnungen über Op-Verlauf und Narkose, erklärte die Frau. Die Brustimplantate werden bald in einer Bonner Spezialklinik entfernt - erneut auf Kosten der Krankenkasse. "In diesem Fall wird die Kasse allerdings Regressforderungen an das Krankenhaus stellen", war sich die Klägerin sicher.
05.03.2008 (dpa) - In Bayern werden jeden Tag durchschnittlich 36 Ungeborene abgetrieben. Das geht aus der Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland hervor, die das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlichte. Danach gab es iim Freistaat im vergangenen Jahr insgesamt 13 364 Abbrüche. Diese Zahl lag in etwa auf dem Niveau des Vorjahres; 2006 waren es 13 593 Abtreibungen in Bayern. Seit 2001 mit noch 16 464 Aborten ging die Zahl dort jedoch kontinuierlich zurück. Dies entspricht auch dem Bundestrend. Im vergangenen Jahr kamen auf 1000 Geburten in Bayern 127 Abtreibungen.
10.01.2008 (MedCon/idw) - Das DIMDI hat die Version 2008 der Alpha-ID veröffentlicht. Diese Identifikationsnummer für Diagnosen spezifiziert als fortlaufende Nummer die Einträge des Alphabetischen Verzeichnisses der ICD-10-GM. Damit können die Kodes beim elektronischen Datenaustausch zur Dokumentation, Auswertung und Übermittlung von Diagnosen eingesetzt werden. Beispielsweise sind in der Alpha-ID Version 2008 neue Begriffe zu Arzneimittelallergien enthalten, mit denen diese nun präzise kodiert und statistisch ausgewertet werden können.
16.11.2007 (MedCon/ek) - Seit kurzem haben Leser der Gynäkologischen Nachrichten die Möglichkeit, ihre Praxis oder ihre Frauenklinik in der monatlich alternierenden Rubrik "Klinik bzw. Praxis des Monats" zu präsentieren. Interesse? Dann nehmen Sie doch mal Kontakt mit der Redaktion auf unter: ek@biermann.net oder telefonisch 02236/376 440.
12.10.2007 (dpa) - In den Koblenzer Kliniken Marienhof und Kemperhof können Frauen ihre Kinder künftig anonym zur Welt bringen. Eine Vereinbarung, die erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz, zwischen beiden Krankenhäusern, dem Sozialdienst katholischer Frauen und der Stadt wurde gestern unterzeichnet. Ziel sei es, Gefahren für das Neugeborene und die Mutter bei der Geburt auszuschließen. 2006 wurden bundesweit 32 Kinder ausgesetzt - nur acht Kinder überlebten.
28.09.2007 (dpa/bb) - Zur Versorgung Frühgeborener hat die Berliner Charité medizinische Geräte im Neuwert von 200 000 Euro an eine Klinik in Usbekistan gespendet. Das Republikanische Perinatalzentrum in Taschkent behandle früh- und neugeborene Kinder mit lebensbedrohlichen Fehlbildungen, teilte die Charité am Donnerstag mit. Dafür fehlten ihr jedoch viele Spezialgeräte. Der Direktor der Charité-Klinik für Neonatologie, Roland Wauer, sammelte Inkubatoren, Wärmebetten, Monitore und Beatmungsgeräte, die in Berlin nicht mehr gebraucht werden. Diese Geräte seien bereits mit Hilfe der Usbekischen Botschaft nach Taschkent geflogen worden, hieß es.
03.08.2007 (MedCon) - Einen wahren Babyboom erlebten derzeit Tschechien: 2006 kamen insgesamt 105 800 Babys zur Welt, für dieses Jahr rechnet man mit über 110 000 Neugeborenen, berichtet die Prager Zeitung. Das treibt manche Frauenklinik an den Rand ihrer Kapazitätsgrenzen: In der Prager Uniklinik Motol etwa wird tageweise im Akkord entbunden, im Juni lag der Rekord bei 23 Geburten in 24 Stunden; andere Kliniken verweisen die Schwangeren an Häuser in der Provinz. Der Babyboom hat vor allem demographische Gründe: Die starken 70er Jahrgänge erweisen sich als gebärfreudig.