– SAARBRÜCKEN (BIERMANN) – Zum Internationalen Tag "Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung" fordert der Verein (I)NTACT auch den Blick auf die Situation in Deutschland zu werden: Vorsichtige Schätzungen gehen von bis zu 6000 Mädchen aus, die hier von Genitalverstümmelung bedroht sind, andere Schätzungen sogar von bis zu 50.000 Mädchen und Frauen.
Der Verein (I)NTACT arbeitet deshalb nicht nur in betroffenen afrikanischen Ländern, sondern leistet seit seiner Gründung im Jahr 1996 auch in Deutschland Aufklärungsarbeit. Denn obwohl längst bekannt ist, worum es sich bei diesem Verbrechen handelt, passiert immer noch zu wenig.
Maßnahmen zum Schutz der von Genitalverstümmelung bedrohten Mädchen werden nur
schleppend umgesetzt. Im Saarland und in einigen anderen Bundesländern sind Eltern bereits verpflichtet, ihre Kinder regelmäßig vom Arzt untersuchen zu lassen. Die Untersuchung der Genitalien ist Bestandteil des ärztlichen Checks. Noch ist es aber dem Arzt überlassen, ob er den Behörden zum Beispiel eine begangene Genitalverstümmelung meldet.
(I)NTACT fordert deshalb die Einführung einer ärztlichen Meldepflicht. Sowohl eine drohende als auch eine bereits begangene Genitalverstümmelung muss vom Arzt unverzüglich an die Behörden gemeldet werden. Gleichzeitig muss die Pflicht zur Vorsorgeuntersuchung bundesweit bestehen und für Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ausgeweitet werden.
Dies wäre ein wirksames Instrument, mit dem Mädchen geschützt werden können. Ein Schutz nicht nur für Mädchen mit Migrationshintergrund, sondern aller in Deutschland lebenden Kinder vor körperlichem Missbrauch.
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