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Tabuthema: 40 Prozent der Frauen Opfer von Gewalt

Gewalt wird verschwiegen (Foto: Rotter/www.pixelio.de)
Gewalt wird verschwiegen (Foto: Rotter/www.pixelio.de)

03.11.2008 – BERLIN/BONN (dpa) – Rund 40 Prozent aller Frauen über 16 Jahre sind in Deutschland schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Behinderte, ältere und pflegebedürftige Frauen sowie Kinder seien in noch stärkerem Maß betroffen, berichtete Gesundheitsstaatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD).

Dies sagte sie anlässlich eines Symposiums in Bonn mit Hinweis auf eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI). Rund jede vierte erwachsene Frau in Deutschland wurde demnach mindestens einmal sogar in einer Beziehung körperlich oder sexuell missbraucht.

74 Prozent aller suchtkranken Frauen hatten der Studie zufolge seelische, körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen gemacht. Nach weiteren Angaben des RKI führt körperliche oder sexuelle Gewalt gegen Frauen in vielen Fällen außerdem zu psychischen Leiden wie Depressionen oder Panikattacken sowie zu gravierenden Komplikationen bei späteren Geburten.

«Gewalt ist noch zu oft ein Tabuthema», sagte Caspers-Merk. Gewalt sei als Gesundheitsrisiko «oft unterschätzt». Verletzungen als Folge von Gewalt gehörten in Notaufnahmen und Arztpraxen zum Alltag. Zudem würden Ärzte in Deutschland wie in ganz Europa zunehmend mit den Folgen weiblicher Genitalverstümmelung konfrontiert.

Die Gewalt gegen Frauen ist laut RKI nicht auf bestimmte soziale Schichten beschränkt, sondern kommt in der gesamten Gesellschaft vor. Zwei Drittel der von Gewalt betroffenen Frauen erlebten dabei eigenen Angaben zufolge mittlere bis schwere Formen körperlicher Gewalt wie Faustschläge oder Waffengewalt.

Die Daten gehen aus der vom RKI veröffentlichten Broschüre «Gesundheitliche Folgen von Gewalt unter besonderer Berücksichtigung von häuslicher Gewalt gegen Frauen» hervor. Darin hat das RKI verschiedene deutsche und europäische Untersuchungen zusammengefasst.

Frauen, die Opfer von körperlichen oder sexuellen Übergriffen wurden, bewerteten ihren eigenen Gesundheitszustand im Vergleich zu Nicht-Betroffenen durchweg schlechter. Sie litten laut RKI unter deutlich mehr körperlichen und psychischen Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen, Magen- oder Darmproblemen, Nervösität, Atemprobleme und Unterleibsschmerzen.

Das RKI wies außerdem darauf hin, dass Ärzte, Pfleger und Hebammen häufig direkten Zugang zu den Gewaltopfern haben - sich aber Studien zufolge nicht für ausreichend kompetent halten für die Diagnose von Gewaltfolgen. Zu den Warnzeichen für häusliche Gewalt gehören demnach unter anderem verschiedene Verletzungen in unterschiedlichen Heilungsstadien oder aber auch ein Partner, der nicht von der Seite der Frau weichen will. Die Herausforderungen an das europäische Gesundheitssystem, die durch Gewalt verursacht werden, sind derzeit Thema einer zweitägigen Tagung der Bundesärztekammer und des Bundesgesundheitsministeriums in Bonn.

(RKI-Heft: www.rki.de)

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