– BERLIN (MedCon/ms) – Weil das Angebot der Krankenkassen für sie "völlig inakzeptabel" war, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Honorarverhandlungen im Erweiterten Bewertungsausschuss abgebrochen und droht nun mit Streiks.
"Wir sind mit drei Grundforderungen in die Verhandlungen gegangen, die wir auch immer klar kommuniziert haben: 1. die Trennung der Honoraranteile für Haus- und Fachärzte, 2. die Angleichung der ärztlichen Vergütung in Ostdeutschland auf das West-Niveau und eine spürbare Erhöhung der Vergütung bundesweit. 3. Die Honorarreform darf nicht zu Mittelabflüssen aus den südlichen Bundesländern führen", erklärte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler.
Weil die Verhandlungspartner keine dieser von der Politik bereits gemachten Zusagen eingehalten hätten, würden die Gespräche bis auf Weiteres ausgesetzt. "Wir appellieren ausdrücklich an die Politik, sich an ihre Versprechen zu halten. Vertreter verschiedener Parteien, inklusive der Bundeskanzlerin, haben uns ihre Zusage gegeben, dass die Honorarsumme um mindestens 2,5 Milliarden Euro aufgestockt wird. Wenn sie nun einen Rückzieher macht, ist die Qualität und Flächendeckung der ambulanten Versorgung nicht aufrechtzuerhalten. Dies wäre nicht zuletzt für die Patienten ein verheerendes Signal", betonte Köhler.
Gegenüber der "Bild"-Zeitung schloss der Vorstandsvorsitzende Streiks nicht aus. Die Zeitung berichtete, die Krankenkassen hätten eine Steigerung der Ärztehonorare um 1,4 Milliarden Euro vorgeschlagen.
Für den GKV-Spitzenverband war dagegen gestern schon "die Lösung zum Greifen nah". Die Ärztevertreter wollen sich nach Darstellung des Verbandes "höhere Honorare auf dem Rücken der Beitragszahler verschaffen, statt gemeinsam mit den Krankenkassen an einer Lösung zu arbeiten, die allen Interessen gerecht wird".
Johann-Magnus von Stackelberg, Verhandlungsführer für die gesetzlichen Krankenkassen, reagierte heute mit harschen Worten auf die Streikdrohung der Ärzte: "Die Geldbeutel der Versicherten sind kein Selbstbedienungsladen für Arzthonorare, den man nach Belieben anzapfen oder zur Not per Streik öffnen kann."
Wenn sich die Verhandlungspartner nicht einigen, kann das Bundesgesundheitsministerium mit einer Rechtsverordnung eingreifen und die Honorare staatlich festlegen. Der GKV-Spitzenverband fordert die Ärzte auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um dieses zu verhindern. "Wir wollen die Lösung durch die Selbstverwaltung", bekräftigt der Verband.
Eins haben die Ärzte jedoch jetzt schon erreicht: Sie haben beim Verhandlungspartner für reichlich Verwirrung gesorgt. "Wir müssen uns jetzt erst einmal sortieren und sehen: Wie gehen wir mit dieser Situation um?", schilderte Pressesprecherin Ann Hörath die aktuelle Lage gegenüber der MedCon-Redaktion.
MAGDEBURG (dpa) - Nach guten Erfahrungen mit Familienhebammen will Sachsen-Anhalts Sozialministerin Gerlinde Kuppe (SPD) das im Jahr 2006 gestartete Projekt ausweiten. «Die Arbeit der bisher 32 Familienhebammen verläuft sehr gut. Wir sind auf dem richtigen Weg, in Sachsen-Anhalt ein flächendeckendes Netz zum Schutz und Wohl kleiner Kinder aufzubauen», sagte Kuppe anläßlich des 5. Landespräventionstags in Magdeburg. Sie rief deshalb die Hebammen im Land auf, sich als Familienhebamme zu qualifizieren. Bisher wurden mehr als 600 Familien von Hebammen betreut. Die Frauen kommen in Familien, die etwa Suchtprobleme haben oder in Armut leben, um bei der Erziehung von Kindern zu helfen.
DÜREN (dpa) - Sie können nicht sehen, aber dafür besser fühlen: Sechs sehbehinderte Frauen wurden bundesweit erstmals zu medizinischen Brusttasterinnen ausgebildet. «Es ist eine Chance, aus meiner Behinderung eine Begabung zu machen», sagte Jeanette Bittner am Sonntag in Düren. Wie ihre Kolleginnen hat sie bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Die blinden Tasterinnen sind gefragt. Mit ihrem überdurchschnittlich ausgeprägte Tastsinn lässt sich Brustkrebs schon in einem frühen Stadium erkennen. Die neunmonatige Ausbildung zur Medizinische Tastuntersucherin bietet das Berufsförderungswerk Düren an.
Angesichts der jüngsten Fälle von Kindstötungen in Sachsen hat Sozialministerin Helma Orosz (CDU) auf vielfältige Unterstützungsangebote für werdende Mütter verwiesen. Ärzte, Schwangerschaftsberatungsstellen und Jugendämter könnten Hilfe vermitteln. Vor zweieinhalb Wochen war in einer Müllsortieranlage in Wiesenbad eine Babyleiche entdeckt worden. Am vergangenen Wochenende wurde in einem Straßengraben bei Frauenhain ein totes Neugeborenes gefunden.
03.03.2008 (MedCon/ek) - Zusammen mit der Weltgesundheitsbehörde haben zehn UN-Unterorganisationen der Gentitalverstümmelung, der - Schätzungen nach - drei Millionen Mädchen im Jahr vor allem in Afrika unterzogen werden, den Kampf angesagt. Bis 2015 will man diese, in manchen Kulturen bestehende Tradition drastisch zurückgedrängt haben. Genitalverstümmelung sei ein massiver Angriff auf die Gesundheit der Frauen und ihres möglichen Nachwuchs, hieß es; die Haltungsveränderungen gegenüber dieser Praxis müssten aber aus den Gesellschaften selbst kommen.
17.1.2008 (dpa/MedCon) - Das Projekt Familienhebammen beginnt sich in Mecklenburg-Vorpommern als Frühwarnsystem zu etablieren. Dies sei eine hervorragende Möglichkeit, werdende Eltern bereits in der Schwangerschaft zur Seite zu stehen, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Margret Seemann. Dem Modell nach, für das LandesSozial- und Bauministerium landesweit jeweils 200 000 Euro bereitstellen, besuchen speziell ausgebildete Sozialarbeiter werdende Mütter, um Vernachlässigungen von Kindern zu vermeiden bzw. diese frühzeitig zu erkennen. Auch die DGPM hatte solch ein Frühwarnsystem auf ihrem Berliner Kongress angeregt.