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– HAMBURG (MedCon) – Der scheidende Präsident der DGGG Prof. Walter Jonat zog Bilanz: Auf dem 57. Kongress habe die Geburtshilfe wieder an Gewicht gewonnen, durch molekularbiologische Methoden und neue technische Entwicklungen. Der neugewählte Vorsitzende der DGGG ist Prof. Rolf Kreienberg aus Ulm.
In der Geburtshilfe, so Jonat, verbessere die Forschung das Verständnis dafür, wie es etwa Bluthochdruck oder Diabetes kommt, die erst in der Schwangerschaft entstehen und nicht nur die Mutter, sondern auch das Kind lebenslang belasten. Ebenso wachsen die Kenntnisse über die Ursachen von Frühgeburten. Solche wissenschaftlichen Fortschritte eröffnen wirkungsvollere Wege der Behandlung.
Für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge bei Frauen mit Krebs sei entscheidend, dass diese in spezialisierten Einrichtungen behandelt werden können. Nachdem Brustkrebszentren in Deutschland längst Realität sind, wurden auf dem Kongress die ersten zehn Einrichtungen zugelassen, die hohe Qualitätsanforderungen bei der Behandlung von bösartigen Genitalerkrankungender Frau erfüllen. Jonat betonte allerdings, dass auch in nicht auf diese Weise zertifizierten Einrichtungen optimale Medizin geboten werden könne, wenn sie sich untereinander vernetzen.
Im Hinblick auf die Fortpflanzungsmedizin bleibe es, so der DGGG-Präsident, bei der einhelligen Forderung der Ärzte, dass die medizinischen Fortschritte den Frauen und ihren Partnern zugute kommen müssen und nicht durch politische Rahmenbedingungen so begrenzt werden, dass Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sich im Ausland behandeln lassen müssen.
Jonat sieht es als erfreuliche Entwicklung, dass der Anteil von Frauen stetig angestiegen ist. "Die Gynäkologie ist weiblich geworden", sagte er. Dies schlägt sich auch in der Zugehörigkeit zu der Fachgesellschaft nieder. Die DGGG ist auf fast 6.000 Mitglieder angewachsen, von denen mehr als 53 Prozent Frauen sind. Auf den Assistenzarztstellen in der Gynäkologie sind es sogar 80 Prozent.
Das Motto für den nächsten Kongress 2010 in München lautet: "Werte - Wissen - Wandel". Dies gab der neugewählte Vorsitzende der DGGG, Prof. Rolf Kreienberg (Ulm) bekannt. Manche Forderungen der Ärzteschaft wie die nach einer besseren Regelung der Schwangerschafts-Spätabbrüche oder nach einem modernen Fortpflanzungsmedizin-Gesetz würden seit Jahren diskutiert. Nun müsse zum Wohl der Patientinnen endlich etwas geschehen. Allerdings, so Kreienberg, "gibt es auch ethische Werte, die keinem gesellschaftlichen Wandel unterliegen dürfen."
Der Begriff "Wandel" beziehe sich auf die Strukturen im Gesundheitswesen mit entsprechenden Folgen für die medizinische Versorgung. Ambulante und stationäre Bereiche müssten gerade in der Frauenheilkunde besser vernetzt werden. Die Kliniken würden künftig spezialisierter werden, während die "normale" Betreuung von Patientinnen zunehmend in Tageskliniken stattfinden werde.
Die Weiterbildung von Fachärztinnen müsse dringend reformiert werden, damit es Anreize für Frauen gibt, ihre Karriere mit der Familienplanung zu kombinieren und Führungspositionen zu übernehmen. Insgesamt müsse die ärztliche Weiterbildung so strukturiert sein, dass es weniger schematische Zeitvorgaben gibt, sondern praktische Fähigkeiten ausreichend eingeübt und notwendiges theoretisches Wissen erlernt werden könnten. Die Zeiten seien vorbei, als der medizinische Nachwuchs fünf Jahre lang in ein und derselben Klinik lernen konnte, um den Facharzttitel zu erlangen. Vielmehr gehe der Trend hin zu "Wechsel-Assistentenstellen".
Die höchste Auszeichnung der DGGG, die Carl-Kaufmann-Medaille, erhielt im Rahmen des Kongresses Prof. Gerhard Bettendorf, ehemaliger Direktor der Abteilung für klinische und experimentelle Endokrinologie und des Reproduktionszentrums der Universität Hamburg, für seine Verdienste zum Thema Ethik der Fortpflanzungsmedizin.