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– HAMBURG (MedCon) – Eine bessere Medizin muss nicht unbedingt die teurere sein, erklärte Prof. Karl-Ulrich Petry. Er ist überzeugt, dass Gebärmutterhals-Krebs mit Hilfe eines HPV-Tests auf Basis der Hybrid Capture 2 Technik effektiver bekämpft werden kann.
Die brandaktuelle S2k Leitline der DGGG empfiehlt: "Ein HPV-Test bei unauffälliger Zytologie ist als Ergänzung des zytologischen Primär-Screenings ab dem 30. Lebensjahr sinnvoll". Das so genannte Wolfsburger Projekt setzt diese Erkenntnis um. Die Deutsche BKK, die niedergelassenen Gynäkologen in Wolfsburg und das Klinikum Wolfsburg haben sich darin zusammengeschlossen. Teilnehmen können alle Frauen in der BKK, die älter als 30 Jahre sind.
Neben dem Pap-Abstrich wird ein HPV-Test (HC2) entnommen und auf das Vorliegen von Hochrisiko-HPV untersucht. Fallen beide Tests negativ aus, wird die jährliche gynäkologische Untersuchung beibehalten; der nächste Abstrich erfolgt aber erst nach fünf Jahren. Es dauere in den meisten Fällen Jahrzehnte bis eine Infektion in ein Karzinom mündet, erläuterte Petry, der Leiter der Frauenklinik Wolfsburg auf einer Pressekonferenz der Firma Qiagen. Da nie eine Latenz von acht Jahren unterschritten werde, könne man eine Frau, die keine HPV-Infektion aufweist, "fünf Jahre in Ruhe lassen". Dies spare letztendlich auch Kosten.
Sind beide Tests positiv, wird die Patientin sofort zur minimal invasiven Diagnostik ins Klinikum überwiesen. Frauen mit auffälliger Zytologie und negativem HPV-Test werden in den Praxen kontrolliert; Teilnehmerinnen mit positivem HPV-Test aber negativer Zytologie werden nach sechs Monaten zytologisch und nach zwölf Monaten mittels Zytologie und HPV-Test kontrolliert. Ergeben sich positive Resultate; erfolgt eine Überweisung zur minimal invasiven Diagnostik.
Auf das Wolfsburger Modell will Petry sogar wetten: "Wir werden in drei Jahren beweisen, dass wir die Inzidenz in Wolfsburg ganz nach unten drücken". Die Schwächen der Zytologie liegen für ihn auf der Hand: Der einmalige Pap-Test entdeckte in mehreren deutschen Studien nicht einmal die Hälfte der Frauen mit hochgradigen Vorstufen oder Krebs. Mehr als die Hälfte aller im Klinikum Wolfsburg behandelten Frauen mit invasiven Zervixkarzinomen hatten regelmäßig an der Vorsorge teilgenommen, nur bei einem Viertel lag der letzte Abstrich länger als fünf Jahre zurück.
Umgekehrt erhielten in einer über fünf Jahre laufenden Untersuchung in Hannover 13 Prozent aller gesunden Vorsorgeteilnehmerinnen, die zu keinem Zeitpunkt an einer Vorstufe oder Karzinom erkrankt waren, mindestens einen auffälligen Abstrichbefund.
PD Dr. Ioannis Mylonas beleuchtete die Vorzüge des Virus-Nachweises mittels der Hybrid-Technik im Vergleich zur PCR. Letztere kann bereits eine sehr geringe Viruslast nachweisen, die allerdings nicht von klinischer Relevanz ist. Die HC2-Methode, bei der RNA-Sonden an die Virus-DNA binden, schlägt erst ab 5.000 DNA-Strängen an und erbringt damit in Bezug auf eine Infektion keine falsch positiven Ergebnisse. "Die optimierte klinische Spezifität ist von entscheidender Wichtigkeit", führte Mylonas aus, der an den Leitlinien mitgearbeitet hat.
Zudem liefere der HC-Test reproduzierbare und verlässliche Ergebnisse, sei überall zugelassen und geprüft - auch von der strengen amerikanischen FDA - und werde von den medizinischen Fachgesellschaften empfohlen.