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Aus-, Fort- und Weiterbildung in Gefahr

18.09.2008 – HAMBURG (MedCon) – Sowohl die Basisausbildung zum Gynäkologen und Geburtshelfer als auch die spezielle Weiterbildung können zur Zeit an nahezu keiner klinischen Ausbildungsstätte mehr ausreichend betrieben werden, warnte Prof. Bernhard-Joachim Hackelöer, Vertreter der Säule Praenatal- und Geburtsmedizin der DGGG, heute auf einer Pressekonferenz anlässlich des DGGG-Kongresses.

Zu den Gründen zählten, so Hackelöer, die durch Senkung der Personalausgaben betriebene Kostendämpfung und die Vorgaben von Kaufleuten im Krankenhausbereich sowie die schlechten Arbeitsbedingungen in deutschen Kliniken. Diese Entwicklung werd bereits kurzfristig zu einer schlechteren Krankenversorgung führen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie bemühe sich mit ihrer eigenen Akademie (DAGG), die Ausbildungsdefizite wenigstens teilweise auszugleichen.

Grundlage ärztlicher Fähigkeiten sind nicht nur das Studium, sondern auch die Weiterbildung zum Facharzt sowie Zusatzqualifikationen. Hierzu gehören in der Gynäkologie die Spezielle Geburtshilfe und Perinatologie, die Spezielle Operative Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie sowie die Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Die Besorgnis erregende Situation ist auf das zeitliche Zusammentreffen von mehreren Faktoren zurück zu führen.

Geschäftsführer und Verwaltungsdirektoren regieren mit personellen und materiellen Vorgaben in den medizinischen Bereich hinein. Das einzige Rezept zur Rentabilität scheint die Kostenreduktion vor allem im personellen Bereich. Notwendige Investitionen werden vermieden. Die neu ausgehandelten Arzttarife werden vor allem bei Oberärzten ungenügend umgesetzt, so dass viele junge Ärzte ins Ausland gehen. Dadurch fehlen qualifizierte Ärzte sowohl für die Ausbildung der Studenten, als vor allem auch für die Weiterbildung der Assistenten.

Die neue Arbeitszeitregelung hat theoretisch den Ärzten endlich bessere Arbeitsbedingungen mit einer adäquaten Bezahlung beschert. Ein festes Arbeitszeitkonto bei gleichzeitiger Anrechnung der Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit hat offen gelegt, dass Ärzte bisher erheblich mehr Arbeit geleistet hatten als nach EU-Recht erlaubt. Nur mit einer Stellenvermehrung könnte nach der Neuregelung der Verlust an Arbeitsstunden ausgeglichen werden. Dies aber erfolgte nicht.

Nach einem normalen Dienst darf ein Arzt nicht weiter arbeiten. Verbunden mit zum Beispiel dem Schichtdienst im Kreissaal bedeutet das für einen Weiterbildungsassisten, der Montag und Dienstag Nachdienst hat, dass er für die Regelarbeitszeit nur noch am Freitag anwesend sein kann. Die Regelarbeitszeit ist aber strukturierte Weiterbildungszeit - und dann sind in den meisten Kliniken nur 20 bis 30 Prozent der Ärzte anwesend. Eine strukturierte Weiterbildung ist nicht mehr möglich. Urlaub und Krankheit führen in diesem System zu Katastrophen. Das Arzt-/Patientenverhältnis an Kliniken ist in Deutschland bereits jetzt nahezu doppelt so hoch wie in den anderen OECD-Staaten.

Schlechte Arbeitsbedingungen und Honorierungen haben dazu geführt, dass Krankenhäuser zunehmend Probleme haben, Chef- und Oberarztstellen zu besetzen. Der jetzt bereits bestehende Mangel an qualifizierten Ärzten behindert die Weiterbildung. Die schon heute spürbaren Probleme in der Krankenversorgung werden sich in den nächsten Jahren aufgrund fehlenden, gut ausgebildeten Nachwuchses potenzieren.

Auch die politisch gewollte Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich kann zwar zum Teil die Krankenversorgung sichern, sie schadet aber der Weiterbildung. Inadäquate Abrechnungs- und Bezahlungssysteme für die Kliniken führen zu fehlenden Fallzahlen vor allem bei der Diagnostik, so dass Ärzte nicht ausreichend Erfahrung sammeln können. Dies führt dazu, dass junge Ärzte an Wochenenden Kurse etwa in Ultraschalldiagnostik an anderen Kliniken belegen müssen, obwohl an der eigenen Klinik hoch qualifizierte Spezialisten vorhanden sind, die wiederum Gastärzte ausbilden, die dort im Urlaub kostenlos arbeiten.

Im Gegensatz zu Großbritannien, den USA und skandinavischen Ländern wird die Fortbildung junger Assistenzärzte nicht von der Klinik bezahlt, sondern muss privat finanziert werden. Tagungs- und Reisekosten für gute Fortbildungen können jedoch Viele nur noch in reduziertem Maß aufbringen.

Trotz aller Bemühungen der DGGG, die geschilderten Defizite auszugleichen, kann wirkliche Abhilfe nur durch rasche Änderung der Gesundheitspolitik, vor allem im Finanzierungs- und Vergütungsregelungen in Krankenhäusern geschaffen werden. lauete Hackellöers Fazit.

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